Liebe Leserinnen und Leser,

auch in diesem Monat habe ich wieder die Fachliteratur für Sie sichten können und spannende Beiträge zum Thema Versicherung und Digitalisierung gefunden. Erneut habe ich hier die Literatur zum Thema „Corona und Versicherung“ ausgeklammert, kann diesbezüglich aber nun auf die Literaturzusammenstellung der Forschungsstelle für Versicherungswesen Münter zu diesem Thema verweisen, welche wir hier bei den Blog-Beiträgen für Sie verlinkt haben.

Viel Spaß beim Lesen!

Allgemeines

Bättig, Joe: Makler oder online?, in Der Vermittler 2020, Heft 6, S. 12-13

Herr Bättig stellt in diesem kurzen Beitrag dar, wie die Vermittlerbranche die Digitalisierung für sich nutzen kann. Er macht deutlich, dass seiner Ansicht nach der vermehrte Online-Abschluss von Versicherungen nicht das Aus für Vermittler sei und dass gerade bei komplexeren Produkten noch immer ein hoher Beratungsbedarf bestehe.

Fothen, Christoph/Böhm, Klaus/Paula, Daniel: Kann die Verwendung digitaler Fahrzeugdaten zur Rekonstruktion von Verkehrsunfällen unterhaft der Schwelle schwerster Unfallereignisse verhältnismäßig sein?, in NVZ 2020, Heft 6, S. 284-289

Dieser Beitrag befasst sich mit digitalen Fahrzeugdaten und ihrer Verwendbarkeit bei der Aufklärung des Unfallhergangs. Der Artikel konzentriert sich dabei auf die Verwendung der Daten durch den Staat, also die entsprechenden Ermittlungspersonen/der Staatsanwaltschaft und beleuchtet den bestehenden Grundrechtsschutz der Bürger. Er gibt aber auch ganz allgemein Aufschlüsse darüber, was es für Daten in diesem Bereich gibt und wie diese Daten bei der Unfallrekonstruktion genutzt werden können. Zudem wird auch die Nutzung zur Aufdeckung fingierter Unfallereignisse thematisiert.

Güßregen, Verena: Finanzen: Konsultation zur Digitalisierung des Finanzsektors, in EuZW 2020, Heft 10, S. 396

Frau Güßregen stellt in diesem kurzen Beitrag die öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu einer neuen EU-Strategie zur Digitalisierung des Finanzsektors/zu einem neuen Fin-Tech-Aktionsplan vor. Sie nennt die Schwerpunkte derselben und fasst zusammen, welche Fragen die Kommission zu Ökosystemen, einem digitalen Binnenmarkt und zur Nutzung der Vorteile einer Datenwirtschaft stellt.

Lüttringhaus, Jan: Auf wackeligem Fundament, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 6, S. 88-93

Herr Lüttringhaus untersucht in diesem Beitrag die verschiedenen rechtlichen Herausforderungen, mit welchen ein Versicherer beim Einsatz von KI konfrontiert wird. Er geht hierbei auf das Datenschutz- und das Antidiskriminierungsrecht ein. Zudem befasst er sich mit den Auswirkungen auf die versicherungsvertragsrechtlichen Rechte und Pflichten des Versicherers und gibt am Ende noch einen Ausblick auf mögliche Regulierungsansätze.

Nießen, Gero: Preisschilder mit einer gewissen Dynamik, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 6, S. 68-71

In diesem Beitrag stellte Herr Nießen die Möglichkeiten vor, die Dynamic Pricing für Versicherer bietet. Er differenziert dabei zwischen der Anwendung im Neugeschäft und bei Bestandskunden, betont aber, dass in beiden Fällen die Daten und die Möglichkeiten zur Auswertung der Daten, sowie passende Modelle von zentraler Bedeutung sind. Er kommt zu dem Ergebnis, dass im Dynamic Pricing ein großes Potenzial für die Versicherer steckt, sowohl ihre Profitabilität als auch die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Schmidt-Kasparek, Uwe: Versicherung zwischen Billy-Regalen und Hot-Dogs, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 6, S. 44-48

Dieser Beitrag befasst sich mit dem Cross-Selling, d.h. dem Verkauf von Versicherungen zusammen mit einem anderen, idR dem zu versichernden Produkt. Herr Schmidt-Kasparek betrachtet unterschiedliche Praxisbeispiele für dieses Phänomen und bewertet diese kritisch. Insbesondere zieht er immer wieder den Vergleich zu dem Versicherungsprodukt, welches der Kunde auf dem Markt erhalten könnte, und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die meisten im Wege des Cross-Sellings verkauften Produkte zu teuer, unzureichend oder sogar vollständig überflüssig sein.

Stuhldreier, Uwe: Steuern wie Google, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 6, S. 37

Herr Stuhldreier stellt in diesem Beitrag das Geschäftsmodell der HUK24 vor. Er erläutert hierbei vor allem eine spezielle Managementmethode, die sogenannte Objectives-Key-Results-Methode.

Widmann, Bettina: Nähe auf Distanz – Videokommunikation als Erfolgsfaktor im Versicherungsvertrieb, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 6, S. 39-41

Dieser Beitrag beschreibt die Chancen der Online-Beratung via Video-Chat. Frau Widmann erläutert, wie die Corona-Pandemie dieser Form des Versicherungsvertriebs Vorschub geleistet hat, aber auch welche Bestrebungen es in dieser Richtung aber auch schon vor der Pandemie gab. Zudem werden die Herausforderungen, die mit dem Einsatz dieser Technik einhergehen, dargestellt. Insgesamt kommt Frau Widmann aber zu dem Schluss, dass diese Mischung aus Online- und Offline-Vertrieb eine große Chance für die traditionellen Versicherer und Vermittler sein kann.

Aufsichtsrecht

Guo, Li: Regulating Investment Robo‑Advisors in China: Problems and Prospects, in EBOR 2020, Vol. 21, issue 1, S. 69-99

Dieser Artikel befasst sich mit der Verbreitung und Regulierung von Robo-Advisorn im chinesischen Markt. Dargestellt werden zunächst drei unterschiedliche Typen von Robo-Advisorn, um danach auf rechtliche Herausforderungen und Schwächen dieser Technologie einzugehen. Zuletzt werden die bestehenden aufsichtsrechtlichen Vorgaben vorgestellt und erläutert, welche weiteren Regulierungen aus Sicht des Autors erforderlich sind. Hierbei werden Vergleiche zur Situation in den USA und in Australien gezogen.

Micheler, Eva/Whaley, Anna: Regulatory Technology: Replacing Law with Computer Code, in EBOR 2020, Vol. 21, issue 2, S. 349-377

Die Autorinnen dieses Beitrags befassen sich mit dem Einsatz technologischer Mittel in der (britischen) Finanzaufsicht. Sie stellen zuerst die möglichen Technologien vor (distributed-ledger-Technologie und KI) und beschreiben dann zwei use cases, in denen diese eingesetzt werden könnten – im Berichtswesen und als Risiko-Management-Tool. In einem nächsten Schritt erläutern sie die damit einhergehende Chance und Risiken, um dann zu prüfen, ob bei dem Einsatz dieser Technologien den Qualitätsstandards der Aufsicht genügt werden kann. Zuletzt werden vor diesem Hintergrund mögliche zukünftige Strategien der Finanzaufsicht beleuchtet.

Verantwortlichkeit und Haftung in Zeiten der Digitalisierung

Biller-Bomhardt, Nikklas-Jens/Kunz, Fabian Alexander: Karlsruher Forum 2020 über Verantwortlichkeit im Zeichen digitaler Techniken, in VersR 2020, Heft 12, S. 755-762

In diesem Tagungsbericht des Karlsruher Forums 2020 stellen die Autoren die geführten Diskussionen zur Verantwortlichkeit im Zeichen digitaler Techniken in Form eines ausführlichen Protokolls dar. Zentrale Fragen waren, wie eine Haftung für digitale Techniken ausgestaltet werden könnte, wer der jeweils Haftende sein sollte, welche Differenzierungen gegeben falls vorgenommen werden müssten, welche Pflichten Herstellern auferlegt werden könnten, wie andererseits die Nutzerhaftung und die Verantwortung des Nutzers zu handhaben wäre und wie Versicherungen in diesem Kontext ausgestaltet sein könnten. Auch wurden Fragen der Rechtspersönlichkeit von Maschinen, der Definition von autonomen Systemen und eines systembezogenen Sorgfaltsmaßstabs diskutiert.

Koch, Robert: Herausforderungen für die Haftpflichtversicherung autonomer Systeme und der Sharing Economy, in VersR 2020, Heft 12, S. 741-755

In diesem Beitrag befasst sich Herr Koch mit der Haftung und Haftpflichtversicherung für autonome Systeme. Im ersten Teil wird die Haftung des Herstellers, Halters, Eigentümers und Nutzer, derjenigen für heteronome Systeme gegenübergestellt und die Auswirkungen der Selbstlernfähigkeit betrachtet. Des Weiteren wird beleuchtet, welche Auswirkungen die Verlagerung der Haftung auf den Hersteller auf dessen Betriebshaftpflichtversicherung hat. In einem dritten Teil beschreibt Herr Koch die Herausforderungen für die Haftpflichtversicherung im Zusammenhang mit der Sharing Economy und untersucht verschiedene Lösungsansätze, wie z.B. den Rückgriff auf andere Versicherungssparten oder einer Gruppenhaftpflichtversicherung der Vermittlungsplattform.

Seehafer, Astrid/Kohler, Joel: Künstliche Intelligenz: Updates für das Produkthaftungsrecht?, in EuZW 2020, Heft 6, S. 213-218

Die Autoren erläutern in diesem Beitrag die besonderen Herausforderungen, die der technische Fortschritt, insbesondere der Einsatz von KI für das Produkthaftungsrecht mit sich bringen. Sie stellen hierzu den aktuellen Meinungsstand in der Literatur dar und gehen dann in einem zweiten Schritt auf die aktuellen Beratungen auf europäischer Ebene ein.

Wagner, Gerhard: Verantwortlichkeit im Zeichen digitaler Techniken, in VersR 2020, Heft 12, S. 717-741

Herr Wagner setzt sich in diesem umfassenden Beitrag ausführlich mit der Verantwortung und Haftung für autonome Systeme auseinander. Zuerst stellt er dabei das Wechselspiel von Haftung und Innovation dar, um dann den relevanten, technologischen Hintergrund zu erläutern. Im nächsten Schritt befasst er sich mit den für die Beurteilung der Haftung für autonome Systeme relevanten Prinzipien des Haftungsrechts. Aus der Kombination dieser mit den aktuellen Problemen der Digitalisierung leitet Wagner Erkenntnisse zur Konkretisierung des geltend Rechts und dessen Fortentwicklung ab. Im Anschluss daran analysiert der Autor das Haftungsregime de lege lata, um danach auf ein mögliches Haftungsregime de lege ferenda einzugehen. Zuletzt befasst er sich mit dem Ansatz Vernetzungsrisiken durch eine Haftungskollektivierung zu begegnen, z.B. auch mittels einer Haftungsersetzung durch Versicherungsschutz.

Wenn Ihnen in diesem Monat weitere spannende Veröffentlichungen aufgefallen sind, schicken Sie uns diese gerne zu.

Bleiben Sie gesund!

Johanna Scheiper
IDI-Team