Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe der letzte Beitrag war informativ und spannend für Sie. Auch in diesem Monat habe ich wieder die Fachliteratur für Sie gesichtet. Allerdings war dies zum Ende aufgrund der aktuellen Situation nur noch aus dem Home Office heraus möglich, was leider bedeutet, dass ich nicht auf alle Zeitschriften, die wir üblicherweise nutzen, Zugriff hatte. Trotzdem konnte noch einiges für Sie zusammentragen und wünsche viel Spaß beim Lesen!

Allgemeines

Graewe, Daniel: New Corporate Governance: bessere Unternehmenskontrolle ohne Menschen?, in Betriebs-Berater 2020, Heft 11, Erste Seite

Herr Prof. Graewe befasst sich in diesem Artikel mit dem Einsatz von KI im Aufgabenbereich des Aufsichtsrats. Er stellt die Möglichkeiten und Chancen dar, die ein solcher Einsatz bringen kann, z.B. bei der Analyse von Optionen und Risiken oder auch bei der Auswahl neuer Vorstände. Graewe betont jedoch auch, dass diese sogenannten CorpTechs nicht jedes Governance-Problem werden lösen können. Trotzdem würde diese Technologien die Corporate Governance grundlegen verändern – hin zu einer „New Corporate Governance“.

Grävemeyer, Arne: Wie sich KI-Entscheidungen überprüfen lassen, in heise Online, Artikel vom 09.03.2020, https://www.heise.de/-4665982

Herr Grävemeyer befasst sich in diesem Artikel mit der Erklärbarkeit von KI. Er bschreibt das grundlegende Problem der Erklärbarkeit von tiefen neuronalen Netzen und geht auf die aktuelle Forschung zu diesem Thema ein. Besonders die Fortschritte bei der Bildanalyse werden betrachtet. Zum Ende des Artikels wird angesprochen, welche Entwicklungen es bezüglich einer Zertifizierung von KI gibt.

Intveen, Michael: Automatisierte Softwareentwicklung unter Einsatz Künstlicher Intelligenz, in IT-Rechts-Berater 2020, Heft 3, S. 70-75

Herr Intveen stellt in diesem Beitrag die vertrags-, haftungs- und urheberrechtlichen Probleme im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI in der Softwareentwicklung dar. Dabei geht er besonders auf die Frage ein, ob eine KI vorsätzlich oder fahrlässig handeln kann und wie die Haftung des Entwicklers, Verkäufers, Nutzers etc. ausgestaltet sein könnte. Auch die Versicherbarkeit spielt eine Rolle. Zudem wird ein Vergleich zum autonomen Fahren gezogen.

KuBI e.V.: Wie man die Qualität der Gewerbeberatung erhöhen kann, in VersicherungsVermittlung, 2020, Heft 2, S. 56

Der Verein Konzeptentwicklungs- und Beratungs-/Innovationswerkstatt der Assekuranz und Finanzdienstleister (KuBI e.V.) stellt in diesem kurzen Artikel die aktuellen Herausforderungen der Beratung bei der Gewerbeversicherung dar und weist auf seine Gründung eines Arbeitskreises „Gewerbeberatung für die Zukunft“ im Frühjahr 2020 hin, sowie auf den Award für die Gewerbeberatung.

Niemann, Fabian/Kevekordes, Johannes: Machine Learning und Datenschutz (Teil 1), Grundsätzliche datenschutzrechtliche Zulässigkeit, in Computer und Recht, 2020, Heft 1, S. 17-25

Niemann, Fabian/Kevekordes, Johannes: Machine Learning und Datenschutz (Teil 2), Sensitive Daten und Betroffenenrechte, in Computer und Recht, 2020, Heft 3, S. 179-184

Herr Niemann und Herr Keverkordes setzen sich in diesem zweiteiligen Aufsatz mit den datenschutzrechtlichen Aspekten von Machine Learning auseinander. Auf Grundlage der DSGVO befassen sich die Autoren im ersten Teil mit der Möglichkeit der Pseudo- und Anonymisierung, dem Zweckbindungsgrundsatz und der Rechtfertigung der Datenverarbeitung. Im zweiten Teil werden dann der Umgang mit sensitiven Daten und die Betroffenenrechte beleuchtet. Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die DSGVO zwar Instrumente zur Problemlösung beinhaltet, aber auch noch Klärungsbedarf bezüglich verschiedener Aspekte besteht.

Scheiper, Johanna: 37. Münsterischer Versicherungstag, in Versicherungsrecht 2020, Heft 6, S. 339-340

Hier finden Sie den Tagungsbericht zum 37. Münsterischen Versicherungstag, welcher hauptsächlich die Digitalisierung in der Versicherung zum Thema hatte.

Schmidt-Gallas, Dirk/zur Horst, Stefanie: Ich, persönlich, digital, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 32-34

Dr. Schmidt-Gallas und Frau zur Horst befassen sich in diesem Artikel mit der Digitalisierung des Vertriebs. Sie stellen dar, wie der digitale Vertrieb und die persönliche Beratung einander ergänzen können und wie die Arbeit der Vertriebsmitarbeiter mittels digitaler Tools verbessert und erleichtert werden kann. Anhand zweier Versicherer wird dargestellt, wie dies konkret aussehen kann.

Schmidt-Kasparek, Uwe: Abstiegsangst, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 18-21

In diesem Artikel befasst sich Herr Schmidt-Kasparek mit der aktuellen Entwicklung des klassischen Versicherungsvertriebs. Seiner Darstellung nach haben vor allem Ausschließlichkeitsvertreter in Zukunft einen immer schlechteren Stand. Es gibt jedoch auch Versicherer, die dort aktiv gegenarbeiten. Aber auch Makler haben laut Schmidt-Kasparek mit Problemen wie Überalterung und Konkurrenz durch Vergleichsprotale zu kämpfen und müssen massiv in die Digitalisierung investieren, um sich auf dem Markt halten zu können. Insgesamt müssten sich die Geschäftsmodelle verändern, um den Ansprüchen der Kunden noch gerecht werden zu können.

Surminski, Dr. Marc: Der Hype um die Ökosysteme, in Zeitschrift für Versicherungswesen 2020, Heft 3, S. 129

In diesem Kommentar bewertet Dr. Surminski die Chancen für Versicherer, eigene Ökosysteme aufzubauen oder erfolgreich an diesen teilzunehmen kritisch und kommt zu dem Ergebnis, dass gerade kleine und mittlerer Versicherer einen sehr schweren Stand haben würden. Er empfiehlt, sich eher auf den bisherigen Zugang zum Kunden zu konzentrieren, auch wenn Ökosysteme als solche in Zukunft große wirtschaftliche Bedeutung haben werden.

Stanczyk, Michael: Im Körper des anderen, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 10-11

In diesem Kommentar befasst sich Herr Stanczyk mit der „Schattenseite von Künstlicher Intelligenz“ – mit Deepfake. Mittels dieser Technologie können schon heute Aussagen und Verhaltensweisen von Personen gefälscht werden, wodurch für Wirtschaft und Gesellschaft ein erhebliches Risiko entstehen könne.

Soltau, Thomas: Lass das mal den Robo machen, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 50-53

Herr Soltau beschreibt in diesem Artikel wie sich der Einsatz von digitalen Vermögensverwaltern (Robo Advisor) entwickelt. Im Bankenwesen steigt laut Soltau die Nachfrage stetig an, auch wenn bisher erst ein geringer Teil des Vermögens von einem Robo Advisor verwaltet werde. Zentrales Problem sei das Kundenvertrauen. Viele Kunden können schon mit dem Begriff des Robo Advisors wenig anfangen. Auch generell würden viele Kunden, gerade in Vermögensangelegenheiten, immer noch ein persönliches Gespräch bevorzugen. In der Versicherungsbranche ist der Einsatz laut Soltau sehr zurückhaltend. Erst wenige große Versicherer würden den Einsatz eines Robo Advisors prüfen.

InsurTechs

Krüger, Sven: Blechschaden 4.0, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 56-59

In diesem Artikel beschreibt Herr Krüger, wie eine rein digitale, KI-gestützte Schadenregulierung im Kfz-Bereich aussehen könnte und heute schon in Staaten wie China oder den USA aussieht. Auch in Europa hält Krüger die Bedingungen hierzu durch intelligente und vernetzte Produkte für günstig, betont aber, dass Versicherer, um die Potenziale nutzen zu können in Zukunft vermehrt in branchenübergreifenden Ökosystemen mit InsurTechs und Dienstleistern kooperieren müssen. Zudem beschreibt er, dass mittels KI die Schadenquote optimiert werden und das Kundenerlebnis bei der Schadenregulierung vorangebracht werden kann.

Schinnenburg, Stephan: Chiptuning für den Maklervertrieb, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 28-29

Herr Schinnenburg erläutert in diesem Artikel, wie sich der Beruf des Maklers durch die Digitalisierung verändern wird und muss. An den Anfang stellt er jedoch die Widerlegung der Befürchtung, dass die konventionellen Versicherer vollständig von InsurTechs verdrängt werden würden. Er betont vielmehr, dass InsurTechs eher Partner, als Konkurrenten sein und Versicherer von diesen profitieren können. Im Folgenden beschreibt Schinnenburg die vielfältigen Möglichkeiten, die Makler durch die Digitalisierung haben können. Zuletzt stellt er dar, wie Versicherer und Makler sich beide anpassen müssen, um die digitale Herausforderung zu bewältigen.

Clouds

Henkes, Heiko: Himmel oder Hölle? Wo die Versicherungswirtschaft im Bereich Cloud Computing wirklich steht, in Versicherungswirtschaft, 2020, Heft 3, S. 66

Herr Henkes gibt in diesem Beitrag einen Überblick über die Cloudnutzung von Versicherern. So stellt er fest, dass die meisten Versicherer Clouds immer noch überwiegend für Backoffice-Prozesse nutzen, andererseits aber auch gerade größere Versicherer Cloud-Technologien nutzen, die bis in die Wertschöpfung hineingreifen. Als große Herausforderung sieht er die Integration von Cloud-Lösungen in bestehende Unternehmens-IT, stellt aber auch dar, wie hybride Infrastrukturen die Cloud und interne System verknüpfen können. Auch wird der Vorteil von Clouds im Rahmen der kundenspezifischen Produktentwicklung dargestellt und die hierzu erforderlich Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen auf Plattformen.

Interview mit Georg Weber, „Das erlaubt und die Aufsicht ganz bestimmt nicht“, in Versicherungswirtschaft 2020, Heft 3, S. 67

In diesem Interview berichtet Herr Weber als Compliance-Experte für das Banken- und Versicherungswesen bei Microsoft Deutschland darüber, wie sich der Umgang von Versicherern mit der Nutzung von Clouds verändert hat. Besonders der aufsichtsrechtliche Aspekt und die VAIT hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt. Bisher sei es aber noch von Unternehmen zu Unternehmen sehr verschieden, ob und in welchem Grad in der Cloud gearbeitet würde.

Wenn Ihnen in diesem Monat weitere spannende Veröffentlichungen aufgefallen sind, schicken Sie uns diese gerne zu.

Bleiben Sie gesund!

Johanna Scheiper
IDI-Team