Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, der letzte Beitrag konnte wieder Ihr Interesse wecken. Momentan wird die Fachliteratur natürlich durch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft beherrscht. Ich habe mich jedoch wie gewohnt bei der Zusammenstellung auf die Digitalisierung der Versicherungsbranche konzentriert und einige spannende Beiträge für Sie finden können.

Viel Spaß beim Lesen!

Allgemeines

Ammann, Thorsten: KI as a Service – Künstliche Intelligenz aus der Cloud und ihre rechtlichen Eigenheiten, in CR 2020, Heft 5, S. 295-303

In diesem Beitrag befasst sich Herr Ammann mit der vertraglichen Ausgestaltung von sogenannten KI as a Service Produkten (KIaaS). Er stellt dar, welche wesentlichen Punkte vertraglich zu regeln sind, wenn ein Unternehmen die KI nicht selbst programmiert, sondern von einem externen Anbieter einkauft und über eine Cloud bereitstellen lässt. Hierbei geht er auf die verschiedenen Phasen von KIaaS-Produkten ein, von der Bereitstellung der Standard-KI, über die Anlernphase, Monitoring und Implementierung besonderer branchenspezifischer Anforderungen (z.B. für Versicherungen). Zudem befasst er sich mit den Mängelrechten in diesem Zusammenhang und stellt dar was in Bezug auf geschäftskritische Daten, den urheberrechtlichen Schutz der KI (inkl. Input und Output) und den Datenschutz zu beachten bzw. zu regeln ist. Zuletzt wird auf haftungsrechtliche Fragestellungen eingegangen.

Busch, Christoph/Dannemann, Gerhard/Schulte-Nölke, Hans/Wiewiórowska-Domagalska, Aneta/Zoll, Fryderyk: The ELI Model Rules on Online Platforms, in EuCML 2020, Heft 2, S. 61-70

Dieser Beitrag befasst sich mit den ELI Model Rules für Online-Plattformen. Diese von einer Gruppe Wissenschaftler und Praktiker unter dem Dach des European Law Instituts ausgearbeitet Regeln sollen vor allem als Inspiration für regulatorische Tätigkeiten in Bezug auf Online-Plattformen der Gesetzgeber oder auch der Plattformbetreiber selbst dienen. Vorgestellt wird die Methodik, die zentralen Herausforderungen (z.B. die Vielzahl an Varianten von Plattformen) und die regulatorischen Mittel, sowie der Anwendungsbereich, die Struktur und die zentralen Themen. Zuletzt wird noch ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung von Online-Plattformen gegeben.

Groß, Johannes: Braucht Künstliche Intelligenz Ethik?, in CB 2020, Heft 5, S. 155-159

Herr Groß widmet sich in diesem Beitrag anlässlich der neuen europäischen Ethik-Leitlinie der Frage, ob eine KI eine Ethik braucht, ob und wie eine KI ethisch arbeiten kann und was überhaupt in diesem Kontext unter Ethik zu verstehen ist. Er analysiert und betrachtet die Leitlinie kritisch. Zudem fasst er die Kritik aus der Praxis an selbiger zusammen und stellt als alternativen Lösungsansatz ein Zurechnungssystem dar, bei welchem die Handlungen der KI einem Menschen zugerechnet werden sollen, an welchen sich wiederum die ethischen Anforderungen richten können.

Matzner, Uwe: Finde mich, in VW 2020, Heft 5, S. 94-95

Herr Matzner stellt in diesem Artikel das Problem der Sichtbarkeit von Versicherern bei der Suchmaschinennutzung durch potenzielle Kunden dar. Er macht deutlich, dass ohne Anzeigen-Schaltung die wenigsten Versicherer überhaupt sichtbar wären, und abgesehenen von den ganz großen Versicherern kaum eine Chance besteht auf den ersten Google-Ergebnisseiten aufzutauchen. Dominiert werden diese von den Vergleichsportalen. Laut Matzner sind letztere aber auch die beste Chance für kleinen Versicherer überhaupt die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu lenken.

Schönach, Lukas: Blitz und Donner, in VW 2020, Heft 5, S. 46-49

In diesem Beitrag wird das InsurTech-Unternehmen Descartes Underwriting vorgestellt, welches für Wetterereignisse und Naturkatastrophen parametrische Versicherungen anbietet. Zum einen geht es hierbei um den möglichst individuellen Zuschnitt von Versicherungsprodukten für die Kunden, zum anderen um eine möglichst zügige Schadenregulierung. Hierzu werden KI- und Big Data-Technologien eingesetzt und es besteht das Ziel in Zukunft die Tätigkeit über Wetterereignisse hinaus auszudehnen.

Testrut, Dominic: Verordnete Verschlankung – Wie Digitalisierung und Plattformökonomie die Modelle von Arbeitsteilung und Outsourcing befeuern, in VW 2020, Heft 5, S. 34-35

Dieser Beitrag von Herrn Testrut befasst sich vor allem mit dem IT-Outsourcing bei Versicherern. Zuerst wird dargestellt wie Versicherungsunternehmen aktuell in Bezug auf Arbeitsteilung und Outsourcing aufgestellt sind und welche Entwicklungen aktuell besonders zum Outsourcing motivieren. Im Folgenden erläutert Herr Testrut die Voraussetzungen und Herausforderungen eines erfolgreichen IT-Outsourcings.

Bancassurance

Hannig, Till/Kindervater, Wolf: Bancassurance 2.0 – nur alter Wein in neuen Schläuchen?, in Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 2020, Heft 10, S. 456-461

Dieser Beitrag befasst sich mit der von den Autoren als solche bezeichneten „Renaissance“ der Bancassurance. Diese Form des Versicherungsvertriebs erlebt laut der Verfasser gerade durch die Digitalisierung, InsurTechs und den zunehmenden Plattformgedanken einen erneuten Aufschwung. Aus Sicht der Banken werden sechs zentrale Fragestellungen beleuchtet, mit welchen sich diese bei der Aufnahme eines Bancassurance-Geschäfts befassen sollten. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Wahl der Rolle als Tippgeber, Vertreter oder Makler und den damit einhergehenden regulatorischen Anforderungen.

Tiedemann, Sebastian/Oldenburger, Olga: Auf die Mischung kommt es an, in VW 2020, Heft 5, S. 71-75

Herr Tiedemann und Frau Oldenburger stellen in diesem Artikel die „neue-leben-Marktstudie“ zum Kundenverhalten im Bereich Bancassurance in Bezug auf Lebensversicherungen und Altersvorsorge vor. Für die Studie wurden Kunden zu ihrer heutigen und zukünftigen Nutzung von Online- und Offline-Vertriebskanälen befragt. Die Ergebnisse der Studie zeichnen laut der Autoren das Bild eines insgesamt anspruchsvolleren Kunden, was die Auswahlmöglichkeiten und Kombinationsmöglichkeit der Kanäle betrifft. Gleichzeitig wird auch bei beratungsintensiven Produkten eine hohe Online-Bereitschaft festgestellt. Herr Tiedemann und Frau Oldenburger beschreiben des Weiteren, wie der zukünftige Vertrieb über Banken im Lebensversicherungsbereich aussehen kann/sollte und formulieren abschließend die These, dass das Modell Bancassurance in diesem Bereich eine Zukunft hat und ein gutes Mittel darstellen kann, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen.

Ökosysteme

Braun, Alexander/Horgby, Madeleine: To lead – or not to lead?, in VW 2020, Heft 5, S. 62-65

Herr Braun und Frau Horgby stellen in diesem Artikel die Rolle und Möglichkeiten eines Versicherers in Bezug auf Ökosysteme dar. Zu Beginn werden verschiedene Modelle und Merkmale eines Ökosystems erläutert. Dann folgt eine Betrachtung der Kernkompetenzen eines Versicherers im Zusammenhang mit Ökosystemen. Es wird zudem ein dreistufiger Test vorgestellt und erläutert, anhand dessen Versicherer erkennen können, ob und für welche Position in einem Ökosystem das Unternehmen aktuell geeignet ist. Zuletzt wird noch auf die zukünftige Relevanz von Ökosystemen für Versicherer eingegangen.

Deetjen, Ulrike/Lorenz, Johannes-Tobias/Niedermann, Florian: Ein Marathon mit kurzen Sprints – Wie Ökosysteme wirklichen Wert für Versicherer schaffen, in VW 2020, Heft 5, S. 66-69

Auch in diesem Beitrag wird dargestellt, welche Werte ein Ökosystem generieren kann, welche Voraussetzungen ein Versicherer hierfür braucht und ob es für Versicherer generell möglich ist, sich langfristig im Ökosystem zu behaupten. Nach Ansicht der Autoren ist es für Versicherer nicht einfach, ein Ökosystem aufzubauen, bzw. aktiv daran teilzunehmen. Um den Vorsprung der großen Tech-Unternehmen nicht noch größer werden zu lassen, rufen sie die Versicherer trotzdem gerade jetzt zum Handeln auf.

Hamprecht, Markus: Bankendigitalisierung – am Scheideweg zwischen Abwärtsspirale und Neudefinition, in Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 2020, Heft 08/09, S. 418-420

Der Beitrag von Herrn Hamprecht befasst sich mit der Digitalisierung im Bankensektor, viele Aspekte sind jedoch sicherlich auch auf den Versicherungssektor übertragbar. Der Autor stellt die aktuellen Herausforderungen für die traditionellen Banken dar und macht deutlich, wie die Zukunft der Banken seiner Ansicht nach aussehen kann/wird. Besonders betont er, dass seiner Ansicht nach die Regulierung für die traditionellen Banken im Wettbewerb mit Tech-Unternehmen ein Hindernis darstellt und die Politik hier handeln muss, um die Banken nicht weiter zu behindern. Er stellt aber auch dar, auf welche fünf zentralen Stellschrauben sich die Banken selbst konzentrieren müssen. Besondere Bedeutung haben auch hier wieder Ökosysteme, Plattformen und die verstärkte Orientierung am Kundenbedürfnis.

Wenn Ihnen in diesem Monat weitere spannende Veröffentlichungen aufgefallen sind, schicken Sie uns diese gerne zu.

Bleiben Sie gesund!

Johanna Scheiper
IDI-Team