Liebe Leserinnen und Leser,
jetzt gibt es diesen Blog schon seit fast einem Jahr. Ich hoffe, Sie lesen die Beiträge immer noch mit Interesse. Wenn Sie Anregungen haben, wie ich den Blog weiter verbessern könnte oder welche Zeitschriften/Themenschwerpunkte ich mehr in den Blick nehmen sollte, schreiben Sie mir gerne eine Mail (johanna.scheiper[a]uni-muenster.de). Ich würde mich über Feedback von Ihnen sehr freuen.
Zudem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es im Dezember keinen Blogbeitrag geben wird. Diesen fasse ich mit dem Beitrag für Januar 2021 zusammen. Daher an dieser Stelle schon einmal schöne Feiertage und ein frohes Fest.
Viel Spaß beim Lesen!

Allgemeines

Filser, Wolfgang: Von Anfang bis Ende digital, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 72–73

In diesem Artikel beschreibt Herr Filser vier Schritte der Produktdigitalisierung in der Industrieversicherung. Besonders im Vordergrund steht bei diesen Schritten der Einsatz von Low-Code und damit die Entwicklung der End-to-End-Lösungen durch die Fachabteilungen selbst.

Gorr, David: „Aus der anfänglichen, „fixen Idee“ ist inzwischen eine gut genutzte Plattform geworden“, Markus Heussen, Geschäftsführer der b-tix GmbH, über Snoopr – eine Suchmaschine für Spezialversicherungen, Der Vermittler 2020, Heft 11, S. 8–11

Herr Heussen spricht in diesem Interview über die Idee, das Geschäftsmodell und den Erfolg von Snoopr, einer Suchmaschine für Spezialversicherungen. Diese sei weder ein klassisches Vergleichsportal, noch genau wie Google. Es gäbe zwar Parallelen zu Google, jedoch sei die Suchmaschine auf Versicherungen zugeschnitten. Zudem beschreibt Herr Heussen die Zusammenarbeit mit Maklern und geht auf zukünftige Entwicklungen ein.

Herrguth, Thomas: Superapps, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 40–43

Dieser Beitrag von Herrn Herrguth befasst sich mit der Bedeutung von Apps im Versicherungsmarkt. Der Autor stellt dabei heraus, dass diese immer wichtiger für den Kunden werden und es daher auch für den Versicherer sein sollten. Er beschreibt zudem, wie in der Praxis die App-Entwicklung funktionieren kann und was für ein erfolgreiches Arbeiten maßgeblich ist.

Pfeßdorf, Andreas/Zengler, Jochen: Erste Prüfungen der BaFin zeigen: Bei der Umsetzung der VAIT ist noch Luft nach oben, BaFin Journal 2020, Heft 10, S. 24–26

In diesem Beitrag stellen die Autoren die Ergebnisse der ersten BaFin-Prüfungen zur Umsetzung der VAIT vor. Hierbei wird deutlich, dass die Versicherer diese noch nicht vollständig umgesetzt haben. Insbesondere seien schwerwiegende Feststellungen im Bereich Informationsrisiko- und Informationssicherheitsmanagement gemacht worden. Auch im Benutzerberechtigungsmanagement zeigen sich laut der Autoren Probleme. Des Weiteren müssten externe IT-Dienstleister besser überwacht werden. Es wird angekündigt, dass die BaFin in Zukunft die Cloudnutzung verstärkt in den Fokus nehmen werde.

Schimikowski, Peter: Das Widerrufsrecht beim digitalen Versicherungsmaklervertrag, recht + schaden 2020, Heft 11, S. 606–610

Herr Schimikowski untersucht in diesem Beitrag, ob bei online geschlossenen Versicherungsmaklerverträgen ein Widerrufsrecht besteht. Nach Ablehnung eines solchen aus § 8 VVG, geht er ausführlich auf das Widerrufsrecht nach §§ 312g Abs. 1, 355 BGB ein. Der Autor befasst sich mit der Frage, ob eine entgeltliche Dienstleistung vorliegt und ob die Bereichsausnahme für Versicherungs- und Versicherungsvermittlungsverträge greift. Zuletzt untersucht er, wann das zuvor bejahte Widerrufsrecht erloschen sein kann und zeigt die Konsequenzen der Nichtbelehrung über das Widerrufrecht auf.

Stanczyk, Michael: „Banken helfen uns, den Blick auf den Kunden zu vervollständigen“, Ulrich Christmann, Vorstand Bank Partner der Zurich Gruppe Deutschland, über strategische Andockpunkte mit Geldhäusern und den Deutsche-Bank-Deal, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 50–51

Herr Christmann berichtet in diesem Interview von den Erfahrungen der Zurich mit Bancassurance. Er geht hierbei auf die Kooperationsmöglichkeiten, insbesondere in Form von Ökosystemen ein. Zudem stellt er dar, wie gemeinsam dem Kunden die besten Lösungen geboten werden könne.

Stanczyk, Michael: „Die Versicherung von morgen muss sich verändern, um wettbewerbsfähig zu sein“, Getsafe-CEO Christian Wiens über Bigtechs und neue Vertriebswege, Der Vermittler 2020, Heft 11, S. 20–21

In diesem kurzen Interview spricht Herr Wiens über die zunehmende Rolle der „Big Techs“ auf dem Versicherungsmarkt. Er beschreibt zudem wie Versicherer auf diese Entwicklungen reagieren sollten und wie die Zukunft der Versicherungen seiner Ansicht nach aussieht.

Einsatz von KI

Haselhoff, Lisa/Friehoff, Lukas: Zurechnung von Erklärungen eines Chat-Bots oder intelligenten Agenten beim Abschluss von Versicherungsverträgen, Versicherungsrecht 2020, Heft 21, S. 1363–1369

Die Autoren befassen sich in diesem Beitrag mit von Chat-Bots abgegeben Erklärungen und deren Zurechnung zum Versicherer. Sie unterscheiden dabei zwischen von derzeitigen Chat-Bots abgebenen, automatisierten Erklärungen und den autonomen Erklärungen intelligenter, d.h. KI-gestützter Agenten. Erstere sind nach den Autoren als normale Computererklärungen dem Versicherer zurechenbar. Problematisch seien die autonomen Erklärungen. Haselhoff und Friehoff diskutieren hierzu verschiedenen Lösungsansätze wie die über das Stellvertretungsrecht, direkt oder analog, eine Botenschaft oder den Weg über die Blanketterklärung. Bei Letzterem sehen die Autoren eine Zurechnungsmöglichkeit, nachdem sie die anderen Ansätze abgelehnt haben.

Salchegger, Markus/Thogmartin, David: Erklärungsbedürftig, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 64–67

Die Autoren dieses Beitrags setzen sich mit der Erklärbarkeit von KI auseinander. Hierbei stellen sie im ersten Teil die regulatorischen Anforderungen dar, welche beim Einsatz von KI zu beachten sind und gehen dabei besonders auf den Datenschutz ein. Weiter erläutern sie die Risiken, welche der Einsatz einer nicht-erklärbaren KI für Versicherer birgt, um dann am Ende Ansätze zur Erklärbarkeit aus der Forschung vorzustellen.

Schneider, Simon: Was steckt hinter Observe.AI?, Eine Analyse des Branchenspezialisten Simon Schneider, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 34–35

Herr Schneider stellt in diesem kurzen Artikel das US-amerikanisch Unternehmen Observe.AI vor. Dieses Start-up biete Möglichkeiten zur Analyse von Kundengesprächen, indem Telefonate aufgezeichnet und Stimmungsanalysen durchgeführt würden. Der Autor geht zudem auf den möglichen Nutzen für Versicherer und die bisherige Erfolgsgeschichte des Unternehmens sowie zu erwartende, zukünftige Entwicklungen ein.

Stanczyk, Michael: „Ohne einen guten Schadenmanager wird es nie eine gute Kundenbeziehung geben“, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 62–63

Herr Lanfermann erläutert in diesem Interview die Digitalisierung der Schadenregulierung bei der Helvatia. Er spricht zudem über die Potenziale und Grenzen des Einsatzes von KI in diesem Bereich und beschreibt, wie die Schadenregulierung der Zukunft aussehen könnte.

Wetzel, Christoph: Keine Grenzen für die Kreativen, Innovation und Künstliche Intelligenz im Schadenmanagement des Industrieversicherers HDI, Versicherungswirtschaft 2020, Heft 11, S. 58–60

In diesem Beitrag berichtet Herr Wetzel wie bei HDI mittlerweile Innovationsprozesse schnell und von Mitarbeitern angestoßen ablaufen können. Zudem beschreibt er wo aktuell schon im Unternehmen Künstliche Intelligenz eingesetzt wird und wo hier noch weitere Potenziale liegen, bzw. woran aktuell gearbeitet wird.

Weingart, Rowena: Vertragsschluss durch Verhandlungsagenten, Wenn Software eigenständig im Rechtsverkehr auftritt, Computer und Recht 2020, Heft 11, S. 701–708

Auch dieser Beitrag befasst sich mit dem Vertragsschluss mittels KI, hier in Form von zu Beginn des Beitrags definierten, autonomen „Verhandlungsagenten“. In einem ersten Schritt untersucht Frau Weingart die Wirksamkeit von mittels eines Verhandlungsagenten geschlossener Verträge, wobei die Autorin insbesondere auf die Zurechnung der Erklärung eingeht. Hierfür wird eine Vielzahl von Lösungswegen herangezogen, vom Stellvertretungsrecht, über den Erfüllungsgehilfen, eine beschränkte Geschäftsfähigkeit des KI-Agenten, eine Erklärung ad incertas personas und eine Botenschaft hin zur häufig herangezogenen Blanketterklärung, welche hier allerdings abgelehnt wird. Letztendlich greift die Autorin auf die Grundsätze zur Willenserklärung selbst zurück, um hierüber eine passende Lösung zu finden. Des Weiteren befasst sich Frau Weingart mit der vorvertraglichen Haftung für den Verhandlungsagenten und mit durch den Verhandlungsagenten begangene arglistige Täuschungen oder Drohungen. Insgesamt kommt die Autorin zu dem Ergebnis, dass Vertragsschlüsse mittels eines KI-Verhandlungsagenten in das Regelungssystem des BGB eingeordnet werden können.

Regulierungsfragen

Ellul, Joshua/Galea, Jonathan/Ganado, Max/Mccarthy, Stephen/Pace, Gordon J.: Regulating Blockchain, DLT and Smart Contracts: a technology regulator’s perspective, Europäische Rechtsakademie 21 (2020), Heft 2, S. 209–220

Die Autoren dieses Beitrags befassen sich mit der Notwenigkeit der Schaffung technischer Standards für Distributed Ledger Technology (DLT), Blockchain und Smart Contracts. Sie beschreiben dabei, dass seit Aufkommen der Technologie schon einige Regulierungen im Bereich der Kryptowährungen geschaffen wurden, aber keine Regulierung der Technik, welche dahintersteht. Nach einer Beschreibung dieser Technologie und den sich daraus ergebenden regulatorischen Herausforderungen, sowie einer Darstellung bisheriger regulatorischen Rahmen, gehen die Autoren insbesondere darauf ein, warum gerade die Technologie selbst als Ansatzpunkt für eine Regulierung gewählt werden sollte. Im Anschluss wird die Malta Digital Innovation Authority und der maltesische „innovative technology arrangement regulatory framework“ vorgestellt, womit gerade eine solche Regulierung von DLT, Blockchain und Smart Contracts stattfinden soll und welche insbesondere auf einer freiwilligen Zertifizierung beruht.

Etzkorn, Philipp: Die Initiative des EU-Parlaments für eine EU-Verordnung zur zivilrechtlichen Haftung beim Einsatz von KI, Wie sich das EU-Parlament die unionsrechtliche Regelung der zivilrechtlichen Haftung beim Einsatz von KI vorstellt, Computer und Recht 2020, Heft 11, S. 764–768

Herr Etzkorn stellt in diesem Beitrag die Initiative des EU-Parlaments zur zivilrechtlichen Haftung beim Einsatz von KI vor. Nach einer kurzen Einordnung und Vorstellung des Regelungsansatzes analysiert er zunächst den Anwendungsbereich. Der Autor stellt dabei heraus, dass besonders ein umfassender Geltungsbereich und ein hohes Schutzniveau angestrebt werden. Im Anschluss werden dann die zentralen Regelungsmechanismen einzeln vorgestellt und beurteilt, sowie eine abschließende Wertung abgegeben.

Hayungs, Carsten: Regulierung von Online-Plattformen: Das Gutachten für den 73. Deutschen Juristentag 2020/2022 aus verbraucherpolitischer Sicht, Verbraucher und Recht 2020, Heft 11, S. 403–411

In diesem Aufsatz stellt Herr Hayungs das Gutachten für den 73. Deutschen Juristentag zur Regulierung von Online-Plattformen vor. Er fasst die wesentlichen Inhalte zusammen und bewertet diese im zweiten Teil aus verbraucherpolitischer Sicht. Insbesondere geht er auf die Analyse der Marktsituation und des Regelungsbedarfs ein und stellt eine „erhebliche Diskrepanz zwischen Analyse und regulatorischen Forderungen“ fest. Zudem fordert der Autor eine „integrierte“, d.h. verschieden Rechtsbereichen verknüpfende Rechtsbetrachtung. Zuletzt stellt er heraus, welche aus seiner Sicht zentralen Punkte nicht behandelt – die Verantwortlichkeit und Haftung der Plattformen sowie Webdesign und Designpflichten.

Unger, Oliver: Grundfragen eines neuen europäischen Rechtsrahmens für KI, Zeitschrift für Rechtspolitik 2020, Heft 8, S. 234–237

Herr Unger setzt sich in diesem Beitrag mit dem Weißbuch zu Künstlicher Intelligenz auseinander. Er erläutert den Hintergrund und den gegebenen Regelungsanlass. Weiter stellt er fünf Grundfragen vor, die bei der KI-spezifischen Regulierung seiner Ansicht nach beachtet werden sollten. Im Einzelnen sind dies Fragen der Regelungsarchitektur, des Regelungsgegenstandes und eines risikobasierten Regelungsansatzes, sowie Fragen nach den materiellen Regelungsinhalten und einer effektiven Rechtsdurchsetzung.

Wenn Ihnen in diesem Monat weitere spannende Veröffentlichungen aufgefallen sind, schicken Sie uns diese gerne zu.

Bleiben Sie gesund!

Johanna Scheiper
IDI-Team